Vom Leben mit dem Tod

Projekt der 10. Klassen zum Umgang mit dem Sterben

Tod und Sterben stehen erst am Ende des Lebens? Bis dahin werden die tabuisierten Themen ausgeklammert?
Fehlanzeige! Am 23. Mai 2022 stellten sich die Liebigschülerinnen und -schüler der Jahrgangsstufe 10 in einer gemeinsamen Veranstaltung des Religions- und Ethikunterrichts der Problematik. Eingeladen waren Minke Bach als Koordinatorin des ambulanten Kinder- und Jugendhospizverein Gießen, Gabriel Fiedler als Gesundheits- und Krankenpfleger einer Intensivstation des UKGM, Silke Schulz-Laun als Bestatterin des Unternehmens „Lebensweg Abschiede Bestattungen“ aus Grünberg und Christoph Weber-Maikler als ehemaliger Notfallseelsorger und Pastoralreferent des Bistums Mainz.
Minke Bach stellte den Alltag von Familie mit Kindern- und Jugendlichen, die an einer lebensverkürzenden Krankheit leiden, dar und informierte umfassend, welchen Stellenwert Ehrenamtliche in dieser Lebensphase haben. Dabei wurde sehr deutlich, dass nicht allein die Sterbe- sondern  vor allem die Lebensbegleitung im Vordergrund stehen. Aber auch nach dem unausweichlichen Tod stehen Freiwillige unterstützend den Familien zur Seite. Gabriel Fiedler berichtete aus dem Berufsalltag auf einer Intensivstation. Im Fokus des Gesprächs stand weniger das Überleben von den vielen sondern das Sterben einiger Patienten aber auch der Umgang mit den Angehörigen. Gerade die Situation des „Geräte-Abstellens“ interessierte die SchülerInnen besonders. Über Bestattungsformen und den Umgang mit den Angehörigen berichtete die Bestatterin Silke Schulz-Laun. Durch den Überblick über mögliche Trauerphasen fokussierte sie den Schmerz der Erinnerung bei den Zurückgebliebenen und stellte heraus, wie wichtig es ihr sei, Hoffnung in die Familien zu tragen. Christoph Weber-Maikler erläuterte in seiner Funktion als Pastoralreferent seine Erfahrungen mit Tod und Sterben. Die Gestaltung von Trauergesprächen und Trauergottesdiensten bildeten den Schwerpunkt der Fragen der SchülerInnen. In seinen Antworten hob er hervor, dass der Blick auf den verstorbenen Menschen, die Wahrnehmung der Trauernden und die Erfahrbarkeit des – untröstlichen – Trostes die zentralen Eckpunkte seiner Arbeit bildeten.
Was den Jugendlichen nach der Veranstaltung bleibt? Sterben und Tod gehören zum Leben dazu. Weder der Sterbende noch die Angehörigen sind in diesen Lebensphasen allein; es sei denn, es ist ihr eigener Wunsch. Und jeder kann würdevoll das Leben verlassen. Aber all dies kann nur gelingen mit der Enttabuisierung von Sterben und Tod.

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