Schülerin schreibt Stück über König, der entmachtet wird

geschrieben von Barbara Czernek, Gießener Anzeiger

Szene aus "Düsterwald" bei DS-Abend der Liebigschule

Copyright: Barbara Czernek, Gießener Anzeiger

An der Liebigschule in Gießen haben drei Kurse selbst entwickelte Theaterstücke aufgeführt. Eine Zehntklässlerin hatte ihr Mittelalter-Stück komplett allein geschrieben.

Mit drei bemerkenswerten Aufführungen verabschiedete sich das Fach „Darstellendes Spiel“ der Liebigschule in die Sommerferien.
Märchenhaft ging es zu bei dem Stück „Zwischen Zeiten und Zaubern“, das im Wahlpflichtunterricht des zehnten Jahrgangs unter der Leitung von Andreas Czerney aufgeführt wurde. Die Schülerin Viktoria Roether hatte das Stück, das die Zuschauer in die Welt des Mittelalters mitnahm, selbst geschrieben. Dort herrschte ein bösartiger König, der mit List und Tücke seines Amtes enthoben wird. Stattdessen wird eine gerechte Frau als Königin eingesetzt. Die Gruppe hatte diesen Plot mit viel Geschick und Spielfreude umgesetzt.

Wehrpflicht thematisiert
Der Kurs „Darstellendes Spiel“ (Jahrgang zwölf) unter der Leitung von Claudia Hahn setzte sich mit aktuellen Themen auseinander. Unter dem Stichwort „Wir haben die Wahl“ thematisierten sie die Wiedereinführung der Wehrpflicht, kombiniert mit der Flüchtlings- und Kriegsproblematik. Die Gruppe hatte dazu einzelne Szenen entwickelt, die zeigten, wie stark dieses Thema gerade in dieser Altersgruppe präsent ist. Ironisch wurde das Thema Losverfahren zur Bundeswehr aufgegriffen, indem es als „Wetten, dass… Bundeswehr“ inszeniert wurde, bei dem natürlich derjenige gezogen wurde, der überhaupt nicht zur Bundeswehr wollte. Der Gedanke wurde bis zum Kriegseinsatz weitergesponnen, mit tödlichem Ausgang. Die Botschaft war deutlich: Jeder hat eine Wahl, und jede Entscheidung zieht weitere Konsequenzen nach sich.

Kritische Bezüge
Düster wurde es bei der zweiten Gruppe des zwölften Jahrgangs. Ihr Stück „Düsterwald“ basiert auf dem bekannten Gesellschaftsspiel „Die Werwölfe von Düsterwald“, welches sie unter der Anleitung von Katharina Hohmann als multimediales Spiel herausarbeiteten. In dem Stück geht es – wie in dem Kartenspiel – um Macht, Lügen und Beeinflussung. Kritische Bezüge zu der Einflussnahme durch Handy-Apps, soziale Medien sowie zu Trump und der MAGA-Bewegung waren unübersehbar und feinfühlig herausgearbeitet, und zwar so, dass dies auch von denjenigen verstanden wurde, die das Spiel nicht kannten.
Die einzelnen Stücke samt ihrer jeweiligen Dynamik waren von den Schülern selbst erarbeitet worden, wobei sie von den jeweiligen Lehrkräften entsprechend unterstützt wurden. Die jungen Darsteller brillierten alle durch ihr intensives Spiel und ihren wohldosierten Einsatz der theatralischen Mittel, bei denen sie sehr pointiert Musik und visuelle Medien einsetzten.
„Das war ein beeindruckender Abend“, sagte Silke Flemming, Aufgabenfeldleiterin I an der Liebigschule, im Anschluss. „Danke, dass ihr euch mit diesen relevanten Themen beschäftigt und euch diesen besonderen Herausforderungen gestellt habt.“

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