Nach sieben Jahren ist die neue Sporthalle endlich fertig
Copyright Text: Rüdiger Dittrich, Copyright Fotos: Barbara Czernek, Gießener Anzeiger
Die Liebigschule hat wieder eine Sporthalle und einen neuen Campus. Die Einweihung wurde zum Fest des gegenseitigen Schulterklopfens.
Kurze Wege, riesige Fenster, große Begeisterung. Die Lio, so könnte man es verkürzt, sicher nicht ganz richtig, aber auch nicht ganz falsch, umschreiben, ist wieder wer. So zumindest der Eindruck von der offiziellen Einweihungsfeier für die neue Sporthalle und den sie umgebenden, ebenfalls hochwertig aufgefrischten Schul-Campus, der mit tribünenartigem Podest, mit Mini-Spielfeld, Bäumen und angemessen gepflastert ebenfalls eine enorme (vor allem auch nachhaltige) Aufwertung erfahren hat.
Die offizielle Einweihung erfolgte dabei am Freitagmittag bei Kaiserwetter, eben strahlend blauem Himmel, nachdem bereits im November die ersehnte Sporthalle früher als geplant fertig- und vorgestellt sowie begangen und dem Sportbetrieb der Schulgemeinde übergeben worden war. Nach nunmehr fast sieben Jahren des Darbens, der Improvisation, oder, wie Schulleiter Dirk Hölscher sagte, nach „sieben Jahren der Aufs und Abs, des Sportes im Regen, im Schnee und des Transportes von Sportgeräten in Privat-Pkw und Schülern, die in Bussen zu ihrem Sportunterricht fahren mussten“, hat die Liebigschule wieder das, was dem regionalen Leistungszentrum Sport angemessen ist. Und, bei genauer Betrachtung, noch mehr als das. Oder wer kann schon von sich behaupten, in seinem Kellergeschoss eine 50-Meter-Laufbahn unterzubringen oder gar Stabhochsprung machen zu können?
„Euphorisiert“ an „historischem Tag“.
Die Einweihung von Schulhof und Sporthalle, zu der Hölscher neben Oberbürgermeister Frank-Tilo Becher, der für die Stadt sprach, auch Stadträtin Astrid Eibelshäuser, die Landtagsabgeordnete Nina Heidt-Sommer, Prof. Karsten Krüger als Vizepräsident der Justus-Liebig-Universität, den Bauherrn Martin Bender von Liokon, Vertreter des Stadtparlaments und der verschiedenen Ämter begrüßte, war dabei zunächst einmal auf dem neuen Campus den versammelten Schülerinnen und Schülern gewidmet. Mit dem symbolischen Durchtrennen des Flatterbandes.
Im Kellergeschoss der großzügigen Halle begrüßte dann im Anschluss der Oberstufenchor zur offiziellen Eröffnungsfeier das Kollegium und die Gäste mit einem dem Anlass gemäßen Song im Kanon: „Don‘t stop me now“ von Queen entsprach da der nach langer Zeit des Stillstands und der Bewegungslosigkeit, wie es im doppelten Wortsinne für den Sportbereich der Schule galt, mentalen Verfasstheit der Schulgemeinde. Die Hölscher nun als „euphorisierend“ und mit „historischem Tag“ beschrieb. Nach der Zeit, die der „irgendwie surreal“ anmutenden Hallenschließung 2019 gefolgt war, ist nun fast kindliche Freude zu spüren: „Wir haben‘s geschafft, wir haben‘s geschafft. Wir haben einen Schulhof und eine Sporthalle.“
Die Feierstunde war dabei (nicht nur dem verbalen) Schulterklopfen gewidmet, sondern dem Erstaunen darüber, dass im Gegensatz zur oft gemachten Erfahrung das Bauprojekt nicht in der Zeit, sondern sogar vor der Zeit fertiggestellt und übergeben werden konnte. Obwohl, wie der gemeinsam mit Daniel Beitlich das Baukonsortium Liokon vertretende Martin Bender von einer „Bauaufgabe“ sprach, die „hoch-, hoch-, hochkomplex“ gewesen sei. Technisch „extrem anspruchsvoll“, unter (erschwerten) Grundwasserbedingungen, in einem noch dazu denkmalgeschützten Ensemble. All das auf diese Art und in dieser Zeit zu bewerkstelligen, sei nur möglich gewesen, weil in der Zusammenarbeit „ein ganz besonderer Teamspirit zwischen uns und der Schule, aber auch mit der Stadt stets zu spüren war“.
Und das habe man angesichts der Herausforderung, letztlich nahezu 30 Jahre in Verantwortung zu sein und sich jetzt nicht nach Abschluss zurückziehen zu können“, mit viel Herzblut und Leidenschaft gemeinsam umgesetzt. „Da ist etwas Besonderes entstanden“, so Bender. Wie auch Frank-Tilo Becher betonte, der mit der Hallenübergabe „ein wichtiges Kapitel der Schulentwicklung der Stadt“ sieht, ein „sichtbares Zeichen dafür, dass kommunales Engagement in Bildung ankommt“. Der SPD-Politiker wies darauf hin, dass man in Gießen bereit sei, „auch neue Wege zu gehen, um zu Ergebnissen zu kommen“. Und meinte damit die nicht unumstrittene Zusammenarbeit mit einem privaten Investor, einem Engagement, das neben der hochgelobten Umsetzung freilich auch immense Kosten in der im November kolportierten Größenordnung von 107 000 Euro monatlich für die öffentliche Hand verursacht.
Investition in Bildung und Chancengleichheit
Aber, so Becher, „große Investitionen in den Standort Schule sind kein Luxus, sondern eben eine wichtige Investition in Bildung, Teilhabe, Chancengleichheit, sprich unsere Zukunft“. Dass man zudem ein Gebäude erstellt habe, das in bestem Sinne nachhaltiges Bauen verkörpere, ressourcenschonend, CO2-reduziert, merkte der Oberbürgermeister ebenfalls noch an. Die neue Sporthalle sei damit ein Ausdruck dessen, was Sport im besten Falle sein könne: ein Zeichen des Miteinanders, der Fairness und des gemeinsamen Erfolges.
Fast freudetrunken verabschiedete man sich von einer offiziellen Eröffnung, wo kein Haar in der Suppe gefunden und angesichts der langen Zeit ohne adäquate Halle nicht nachgekartet wurde, sondern nur der Augenblick genossen. Draußen auf dem Schulhof spielten unterdessen ein paar Schülerinnen und Schüler Fangen. Auch das scheint jetzt mehr Spaß zu machen – nur ein Junge schaute etwas versonnen durch die großen Scheiben ins Untergeschoss mit den geladenen Gästen – und rief: „Man, die haben sogar zu essen und zu trinken.“











