Lieber Mathe oder lieber Physik?

Dr. Gunnar Martens brennt für beides. Das Lehrerinterview, geführt von Johann Rock, Paul Schwarz und Jakob Schott, LieblingsAG von Dr. Silke Regin 

Was hat Sie dazu bewegt, Lehrer zu werden? 

Ja, das ist eine gute Frage. Ursprünglich wollte ich gar kein Lehrer werden. Lange Zeit meines Lebens dachte ich, ich werde Physiker.  Und dann habe ich gemerkt, dass mir das Unterrichten von Studierenden richtig viel Spaß macht. Nach einiger Zeit haben sich meine Inhalte verschoben. Ich habe immer weniger geforscht und mehr unterrichtet und dachte, dass ich das auch richtig machen kann. Dann habe ich gedacht, jetzt wechsle ich den Job und werde Lehrer. Daraufhin bin ich nach meinem Studium an die Schule gewechselt.

Wann sind Sie an die Liebigschule gekommen?
Ich bin mit 37 an die Liebigschule gewechselt. Das war im Jahr 2007.
 


Weshalb haben Sie sich für Physik und Mathe entschieden?
In der Schule fand ich Mathe total klasse. Und dann bin ich in die 10., 11. Klasse gekommen, in die Oberstufe und hatte eine total tolle Physiklehrerin, Frau Winter, der ich nicht genug danken kann, dass sie den Unterricht so gemacht hat, wie sie ihn gemacht hat. Und in Mathe hatte ich Herrn Wolf, der den Mathematikunterricht leider ein wenig kaputt gemacht hat. Zu der Zeit habe ich dann gemerkt, dass Physik beides vereint und man sich mit beidem die Welt erklären kann. Und deshalb habe ich ab der 11. Klasse gewusst, ich werde Physik studieren, was dann auch so geschehen ist. Mathe habe ich sogar gar nicht studiert. Ich habe Mathematik nur als Nebenfach in der Physik gehabt.
 
Was ist Ihr Lieblingsphänomen oder Ihr Lieblingsexperiment in der Physik?
Das ist eins aus der Oberstufe hier in der Schule. Wir unterrichten ja ziemlich viel Physik, ab Klasse 6 fast durchgehend bis zur Klasse 12. Und nach der Klasse 12 könnten die Schüler das Gefühl haben, sie wüssten, wie die Welt zu beschreiben ist. Und dann kommt ein Experiment in der Klasse 13, und plötzlich dreht sich alles, was man bis dahin gelernt hat, wenn die Schüler richtig gut aufgepasst haben, dann merken sie, alles, was sie gelernt haben, muss falsch sein oder unvollständig. Das Experiment beschreibt, dass die Welt nicht so ist, wie wir sie tatsächlich jederzeit sehen und wahrnehmen, sondern irgendwie anders beschrieben werden muss. Und das ist so ein Knackpunkt, wie ich finde.
 
Was ist Ihr Lieblingswettbewerb in der Mathematik oder in der Physik, wo sie sich am meisten engagieren oder sich an ein besonderes Projekt zurückerinnern ?
Das ist die Matheolympiade, weil ich da viel Zeit und Herzblut hineingesteckt habe und ich das hier an der Schule seit 2009 mache. An diesem Wettbewerb haben Schülern Freude, die sich sonst irgendwo mit ihren Neigungen und ihren Fähigkeiten so ein bisschen verstecken müssen, weil Mathematik bei vielen gar nicht so beliebt ist. Und plötzlich sind Schüler in diesem Wettbewerb unter sich und sehen, es gibt noch andere, die das auch toll finden. Mathematik ist eben nicht nur Zahlen und Ausrechnen, sondern auch das Denken und das Bewegen in abstrakten Gedanken und das Beschreiben von Strukturen und Mustern, die man erkennen kann. Das gefällt mir im Wettbewerb sehr gut.
 
Wer ist Ihr wissenschaftliches Vorbild?
Ja, das ist sicherlich nicht einfach. Es gibt unfassbar viele tolle Physikerinnen und Physiker. Ich denke, Lise Meitner. Sie hat damals sehr viele tolle Entdeckungen gemacht. Die Kernspaltung, da kann man drüber streiten, ob das im Endeffekt ein tolles Phänomen ist oder nicht. Aber sie musste sich immer durchsetzen, dass sie als Frau das auch machen durfte. Und das imponiert mir schon sehr stark. 


Finden Sie Mathe oder Physik besser?
Als ich hierhergekommen bin, habe ich immer gedacht, ich unterrichte Physik und Mathe, weil ich eben von meiner Herkunft her Physiker bin und Mathe ein Nebenprodukt ist. Mittlerweile unterrichte ich beides sehr, sehr gern. Die Physik liefert irgendwie das Anschauliche, den Kontakt zur Welt, und die Mathematik darf machen, was sie will. Das finde ich so schön.
 

 

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