Liebigschüler erklimmen neue Gipfel

Im Rahmen des ersten Outdoorsportkurses der Jahrgangsstufe 12 haben wir mit 19 Personen vom 16. - 19. Mai eine viertägige Wanderexkursion in das Mangfallgebirge an der österreichischen Grenze südlich von München unternommen. Unter der Anleitung der beiden Sportlehrer Martin Bromm und Thomas Fuchs brachten wir insgesamt gut 6000 Höhenmeter hinter uns – ca. 3000 m hoch und 3000 wieder abwärts.
Alles begann Mittwochmorgen mit der Abfahrt in Gießen um 8.30 Uhr auf dem Parkplatz von Intersport Begro im Schiffenberger Tal. Nach einer angenehmen Busfahrt ohne Komplikationen trafen wir gegen 16.00 Uhr in der Jugendherberge Josephstal in der Nähe des Schliersees ein. Der Entschluss zum Einstieg gleich eine kurze Wanderung zu machen, wurde zunächst von einem kräftigen Hagelschauer vereitelt. Daher richteten wir uns erst in der Herberge ein und unternahmen die Wanderung schließlich nach dem Abendessen, welches ausgesprochen gut war.
Um nicht schon am ersten Tag vollkommen ermüdet zurückzukehren, wanderten wir etwa zweieinhalb Stunden zur Burgruine Hohenwaldeck, wobei wir bereits einen ersten Eindruck von der Umgebung und dank der 900 Höhenmeter auch einen Eindruck der bevorstehenden Strapazen bekommen konnten. Von der Burgruine und dem nahegelegenen Aussichtspunkt am Gipfelkreuz hatte man einen hervorragenden Blick auf den Schliersee und die nähere Umgebung. Gemeinsam ließen wir den Abend ausklingen.
Donnerstagmorgen brachen wir nach dem Frühstück und allerlei Vorbereitungen um 9.30 Uhr zur Brecherspitze in 1685 m Höhe auf. Der Weg führte an den Josephstaler Wasserfällen vorbei zur Ankelalm auf 1311 m, wo wir eine erste Pause einlegten. Da es am Mittwoch 50 cm Neuschnee gegeben hatte, wurde unser Aufstieg durch den verschneiten Weg etwas erschwert.
Von der Ankelalm ging es weiter zur Brecherspitze, ungewiss, ob wir aufgrund der Schneemengen bis zum Gipfel würden vordringen können. Der größte Teil der verbliebenen Strecke führte uns auf dem Grat auf einem schmalen Pfad zwischen Latschenkiefern entlang. Einigermaßen erschöpft erreichten wir die Brecherspitze. Unser erstes gemeinsames großes Gipfelerlebnis wurde von der unglaublich guten Aussicht in alle Richtungen belohnt.
Anders als erwartet war der Abstieg nicht einfacher als der Aufstieg. Statt dessen erwartete uns dank des Schnees und des einsetzenden Tauwetters neben einer anspruchsvollen Kletterei noch eine alles in allem amüsante Rutschpartie. Kurze Unterbrechungen wie das Bauen eines kleinen Schneemanns trugen zur Abwechslung bei.
Froh, dass das Wetter so gut mitgespielt hatte und wir den ganzen Tag im Sonnenschein wandern konnten, kehrten wir um 16.00 Uhr in die Jugendherberge zurück. Der Rest des Tages stand zur freien Verfügung und aufgrund allgemeiner Müdigkeit gingen alle recht früh ins Bett.
Am Freitag ging es direkt nach dem Frühstück weiter. Alle waren mit schwerem Gepäck ausgerüstet, da wir die nächste Nacht im Taubensteinhaus (Berghütte) verbringen wollten und keine andere Möglichkeit hatten, alles Benötigte dorthin zu bringen.
Für diese Wanderung teilten wir uns in zwei Gruppen auf, damit nicht alle die besonders anspruchsvolle Tour über zwei weitere Gipfel machen mussten.
Die Gipfeltour führte zunächst auf den Jägerkamp (1746 m). Der Aufstieg mit Steigungen von bis zu 100 % war für alle Beteiligten eine Herausforderung, die das Hochgefühl des Erfolges am Ende aber wert war. Auch an diesem Tag konnten wir uns eines blauen Himmels und eines einzigartigen Blickes bis zur Allianzarena in München (ca. 60 km weit) erfreuen [Anmerkung von Herrn Fuchs: bzw. bis zur Zugspitzregion im Westen, dem Großglocknermassiv im Süden und dem Berchtesgadener Land (Osten)]. Das gute Wetter erlaubte es uns, die Jacken wegzupacken und in Sweatshirt oder T-Shirt zu laufen. Vom Jägerkamp aus ging es weiter über einen zwar auf der Karte verzeichneten, tatsächlich aber leider nicht sehr ausgeprägten und tief verschneiten „Weg“ längs zum Hang, der auf dem Rauhkopf (1689 m) endete. Von dort konnte man bereits das etwas tiefer gelegene Taubensteinhaus sehen. Auf halbem Weg dorthin trafen wir wieder mit der zweiten Gruppe zusammen, die mit einem Hagel von Schneebällen fröhlich „begrüßt“ wurde.
Das Taubensteinhaus war luxuriöser als erwartet, trotzdem natürlich kein Vergleich zur Jugendherberge. Nach dem Abendessen ging eine kleine Gruppe noch zum nahegelegenen Taubenstein, der Großteil der Gruppe ließ den Abend in einem gemeinsamen Skatabend ausklingen. Die Nacht verbrachten wir in 8-Mann-Stockbetten mit allen 19 Personen auf einem Zimmer, was für die meisten eine neue Erfahrung war.
Am Samstag begannen wir den letzten Teil der Wanderung, der uns noch einmal etwa 300 Höhenmeter auf die Rotwandspitze hoch führte, von wo man einen herrlichen Blick auf die Zugspitze und den Alpenkamm hatte. Darauf folgte ein dreistündiger Abstieg nach Bayrischzell. Unterwegs pausierten wir an einem idyllisch gelegenen Bergsee. Die Rückfahrt verlief problemlos, gegen neun Uhr kamen wir wieder in Gießen an.
Alle hatten bei diesem Erlebnis viel Spaß und es wird noch lange in Erinnerung bleiben. Einige konnten durch die Tour vom Spaß beim Wandern in den Alpen überzeugt werden. In einer allgemeinen Blitzlichtrunde sprachen sich alle positiv über die Erfahrung und die angenehme Situation „auf dem Berg“ aus, besonders hervorgehoben wurden dabei die Nähe zur Natur und die Abgeschiedenheit von der „Zivilisation“ sowie die daraus resultierende Ruhe. Insgesamt können wir uns glücklich schätzen, ein so einmaliges Angebot in unserer Schulzeit gehabt zu haben.
Wir bedanken uns bei Herrn Bromm und Herrn Fuchs für die Organisation und die Bereitschaft zu dieser außergewöhnlichen Exkursion.



