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Fotos Anja Schaal www.anjaschaalfoto.de

Beiträge

"Mehr als nur technisches Verständnis"

Geschrieben von Barbara Czernek.

20.05.2010 - GIESSEN

IT-Fachberater für Jugendmedienschutz referiert auf Elternabend der Liebigschule über Medienkompetenz

(cz). Starker Tobak am Elternabend der Klassen fünf bis elf der Liebigschule: Günter Steppich, IT-Fachberater für Jugendmedienschutz am Staatlichen Schulamt für Wiesbaden und den Rheingau-Taunus-Kreis, konfrontierte die etwa 200 Zuhörer in seinem Vortrag über die Neuen Medien mit der rauen Wirklichkeit im Bereich des Internets, Handys, iPod und Spielekonsolen wie Playstation und Wii.

Anhand von Studien und Umfragen zeichnete er folgendes Bild der Wirklichkeit von Jugendlichen: Etwa 80 Prozent der Eltern halten die Computer- und Handybenutzung ihrer Kinder für unproblematisch. Dem steht die Aussage der 12- bis 19-Jährigen entgegen: „Meine Eltern haben keine Ahnung, was ich da mache.“ Wobei vier von fünf Befragten unangenehme Erfahrungen mit den Medien gemacht hätten, wie Datenouting, Pornografie, sexuelle Belästigung, Gewaltvideos und vieles mehr. „Wir haben das Internet erfunden, aber die Kontrolle darüber verloren“, erklärte er und verglich es mit dem Zauberlehrling, der seine Materie nicht beherrscht, bis der Meister kommt. Doch genau dieser existiert im Bereich der Neuen Medien nicht.

Die Kinder gingen sorglos und unkommentiert ins Netz, was vergleichbar sei mit Fahren ohne Führerschein. „Die Eltern sind schlichtweg für das Tun im Internet verantwortlich, kümmern sich jedoch nur wenig darum.“ So gäbe es ein grobes Missverhältnis zwischen Aufklärung und Ausstattung. „Medienkompetenz ist mehr als nur das technische Verständnis für Umgang mit Mouse und Handy.“ Und genau diese Kompetenz sei häufig nicht vorhanden. Für Ihn gehört ein Bildschirm nicht in das Kinderzimmer, frühestens ab 15 Jahre. Die Realität sieht jedoch anders aus. Das Einstiegsalter werde immer jünger, so Steppich. Mittlerweile halte er diese Vorträge auch schon in Grundschulen. Mittlerweile gäbe es klar erwiesene Zusammenhänge zwischen Mediennutzung und schulischen Leistungen, wobei die Jungen klar auf der Verliererseite stünden, da sie auch erheblich mehr die Neuen Medien nutzten.

Hirnforscher hätten bewiesen, dass durch extensives Nutzung von Gewaltspielen im Internet eine Desensibilisierung gegen Gewalt stattfinde. Jugendliche, die über drei Monate mehr als zwei Stunden solche Spiele spielten, bekämen nichtn reparable Schäden im Gehirn. Eine Zeitregelementierung bei der Anwendung sei dringend erforderlich. Derzeit würde jeder fünfte Jugendliche mehr als vier Stunden täglich vor dem Computer sitzen und spielen. Daher appellierte er an die Eltern, nur altersgerechte Computerspiele zu kaufen und sich nicht dem Druck zu beugen: „Aber die anderen haben doch auch alle.“

Drastische Beispiele konnte er im Bereich der sozialen Netzwerke wie SchülerVZ, Facebook oder StudiVZ vorweisen. „In einem ungeschützten Profil kann jeder alles lesen und man ist erstaunt, was da alles drin steht. Dinge, die man nicht einfach so einem Fremden erzählen oder zeigen würde“, sagte Steppich. Anschaulich zeigte er, wie relativ einfach an persönliche Daten von Personen zu erhalten sind. Dagegen helfe nur Aufklärung und der richtige Umgang mit diesen Netzwerken. „Denn“, so der Referent, „einmal im Netz, immer im Netz.“ Es sei praktisch unmöglich, einmal ins Netz gestellte Fotos wieder zu löschen. „Wir leben in einem virtuellen Glashaus.“ Man könne die Kinder nur vor den negativen Auswirkungen schützen, indem man als Gesprächspartner präsent sei, klare Nutzungsregeln aufstelle, Interesse an dem Onlineverhalten zeige, auch den Mut habe, einmal gegen den Strom zu schwimmen und das richtige Verhalten im Gefahrenfall vorher besprechen.

Die Veranstaltung war eine Gemeinschaftsaktion des Schulelternbeirats, der Lehrer und der Schulleitung. Im Namen aller sprach sich Schulleiter Dr. Carsten Scherließ auch dafür aus, dass die Schule in dem Bereich mehr Verantwortung übernehmen wolle. „Wir ziehen alle an einem Strang.“ Schließlich ginge es darum, Stärkung zu erfahren, denn die Risiken könne man nicht aus der Welt schaffen“ Dafür spreche auch das große Interesse an der Veranstaltung, die eigens in die Turnhalle verlegt werden musste.